Anforderungssituationen

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Dieses Thema enthält 13 Antworten, hat 8 Stimmen, und wurde zuletzt vor vor 2 Jahre, 9 Monate von Reinhard Weber Reinhard Weber aktualisiert.

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  • #3936
    Reinhard Weber
    Reinhard Weber
    Super-Administrator

    Vor welchen Anforderungssituationen stehen unsere SchülerInnen (oder auch wir) wenn wir an den Titel unseres openreli-Kurses denken: GlaubWürdig?!
    Mit anderen Worten: In welchen Anforderungssituationen wird das Thema “GlaubWürdig(keit)” für euch/eure SchülerInnen manifest?

    • Dieses Thema wurde vor vor 2 Jahre, 9 Monate von  Jörg Lohrer bearbeitet.
    • Dieses Thema wurde vor vor 2 Jahre, 9 Monate von Reinhard Weber Reinhard Weber bearbeitet.
  • #4041
    Reinhard Weber
    Reinhard Weber
    Super-Administrator

    Für meine SchülerInnen gleich am Anfang ihrer Schulkarriere bei uns: Neues Umfeld, neue MitschülerInnen und LehrerInnen. Da stellt sich die Frage: Wem kann ich vertrauen? Vielleicht auch: Wem kann ich mich anvertrauen? Also: Wer ist für mich glaubwürdig? Und: Bin ich glaubwürdig für andere? etc. oder: Macht das da Sinn für mich, bin ich hier richtig?

    Ein weites Feld erschließt sich aus den mannigfaltigen Informationen, die ständig auf sie und uns einprasseln: Werbung, Idole, die letzten Meldungen auf Facebook, Whats App, TV usw. – Manipulation, echt, Show, Maske, Shitstorm … oder ehrlich gemeint?

    Da stecken auch schon viele religiöse Implikationen drinnen. Explizit wird das Ganze dann, wenn Religion bzw. Kirche wieder mal (meist aber nicht immer mit negativen Schlagzeilen) in den Medien vorkommen wie z. B. derzeit die Gewalttätigkeit mancher Radikaler oder die Familiensynode in Rom.
    Oder wenn SchülerInnen (oder ich als Lehrer) Fragen zu Glaube und Religion aufwerfen.

    Für mich als Lehrer stellt sich die Anforderung nach Glaubwürdigkeit ständig: Bin ich im Umgang mit den SchülerInnen, in dem, was ich an Gedanken, Meinungen und Gefühlen mitteile und in meinem Verhalten glaubwürdig? Wie ist das mit dem Glauben, für den ich stehe? Kann ich glaubhaft vermitteln, dass der für mich in meinem Leben relevant ist? Wie stelle ich mich der Herausforderung, wenn die heißen Eisen der Kirche angesprochen werden? Verstecke ich mich hinter Floskeln oder bemühe ich mich um eine ernsthafte, auch durchaus persönliche Auseinandersetzung? …

    Ich muss meinen Gedankenstrom hier unterbrechen, da die Schule ruft 😉

    Jedenfalls spüre ich sehr deutlich die personale Dimension der Glaubwürdigkeit, von der Prof. Bruckmann gesprochen hat.

    Bin gespannt auf eure Antworten!

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 Jahre, 9 Monate von Reinhard Weber Reinhard Weber bearbeitet.
  • #4049
    ElisabethHammer
    ElisabethHammer
    Teilnehmer

    “An welche Bereiche denkt ihr, wenn ihr den Begriff “glaubwürdig” hört?”: Schule – Eltern – Kirche und Politik, in dieser Reihenfolge kam die spontane Antwort einiger meiner Maturanten. Ich war doch recht erstaunt, dass die Schule einen so dominanten Platz einnahm. Leider hatten wir nicht mehr Zeit, das Gespräch zu vertiefen. So kann ich nur Vermutungen über die Hintergründe der Aussage anstellen. Schule als auch Eltern versuchen die Jugendlichen erzieherisch zu begleiten; dies kann nur gelingen, wenn dies auch “glaubwürdig” und authentisch geschieht.

    Kirche und Politik könnte man als Institutionen zusammenfassen, wobei man hier wohl von einem allgemeinen Glaubwürdigkeitsverlust in der gesamten Gesellschaft ausgehen kann. Verständlich wird die Aussage der Schülerinnen und Schüler gerade hier in Südtirol aufgrund zahlreicher lokaler Politskandale in den letzten zwei Jahren, auch kirchlich gab es innerhalb der Südtiroler Diözese in den vergangenen Jahren einige Anlässe zur Diskussion. Derzeit läuft bei uns eine groß angelegte Diözesan-Synode, die zur Diskussion einlädt und hoffentlich auch wieder zu etwas mehr Glaubwürdigkeit beiträgt.

    Ganz persönlich beschäftigt mich das Thema der Glaubwürdigkeit natürlich auch immer wieder anlässlich der verschiedenen Themen, die uns im Unterricht begegnen (… um nicht zu sagen ständig und bei jedem Thema hinterfrage ich mich, ob das was ich sage, ehrlich gemeint, authentisch, “glaubwürdig” ist …), aber auch in der pastoralen Mitarbeit in der Pfarre (z.B. Wie glaubwürdig ist es für ein Erstkommunionkind, dem ich vom Sakrament der Versöhnung erzähle, dessen Eltern aber getrennt sind und sich dadurch in der Pfarre kaum beheimatet, ja, als Außenseiter fühlen?).

    Ich möchte diesbezüglich auch mit der personalen Dimension der Glaubwürdigkeit schließen, die ich in all unseren Wirkbereichen für essentiell halte. Im Grunde hat Reinhard bereits die Grundfragen sehr gut formuliert, die wir uns wohl alle stellen. Der Religionsunterricht bietet uns die Chance, unseren Schülerinnen und Schülern mitzuteilen, wo wir auf unserem Glaubensweg stehen, was für uns “würdig” ist zu glauben und dadurch können wir ihnen vielleicht als Vorbild oder Reibfläche dienen. Ganz wichtig ist mir dabei immer, eher eine fragende Haltung einzunehmen bzw. die Vorläufigkeit der Antwort zu betonen. Ganz in diesem Sinne: auch dieses Posting zur Anforderungssituation ist noch vorläufig … vielleicht fällt mir im Laufe der nächsten Ferienwoche noch konkreteres zum Thema ein!

  • #4050

    ulrike.ebner
    Teilnehmer

    In der Schule bin ich quer durch alle Altersstufen immer wieder mit der Frage der Glaubwürdigkeit im Zusammenhang mit familiären Situationen konfrontiert. Wenn ich bei den Kleinen von Gott als gutem Vater / gute Mutter spreche, kommen immer wieder auch recht heftige Reaktionen der Kinder, die Frustration, Enttäuschung auch Sehnsucht nach dem so ersehnten Ideal zum Ausdruck bringen.

    Bei den Großen sind das dann eher die Themen Partnerschaft, Beziehung usw. die meist fast reflexartig negativ-kritisch in Frage gestellt werden. Was mir aber doch immer wieder auffällt, ist die Hoffnung nach diesem Ideal und auch die, fast möchte ich sagen Dankbarkeit dafür, dass wenigstens irgend jemand noch daran festhält und das auch artikuliert. Freilich immer auch gleich mit der vagen Befürchtung, ob es denn auch wert, würdig ist daran zu glauben.

    Und dann ist da immer wieder das große Thema “Versöhnung”. Da wird sehr genau empfunden und hingeschaut was echt ist, d. h. was sich in der Praxis wirklich bewährt. Also, wie wird ganz konkret mit mir umgegangen, auch und besonders wenn etwas schief gegangen ist.

    • #4167
      Reinhard Weber
      Reinhard Weber
      Super-Administrator

      @Ulrike: Ja, wie mit dem Scheitern bzw. den Gescheiterten umgehen?, dass ist bei uns Katholen gerade hochofiziell Thema. Obwohl: Da bräuchte man sich nur an Jesus ein Vorbild nehmen … Ist die Kirche in ihrem Zögern und Zaudern auch glaubwürdig?

  • #4051

    Beimii
    Moderator

    W a h r h a f t i g ?

    • Wann traue ich mich, mein wahres Gesicht zu zeigen?
    • Will ich immer die Wahrheit hören?
    • Kenne ich einen Menschen, der wahrhaftig ist oder war?

    Anforderungssituation: Schreibe Deine Meinung in mindestens einem Satz und mach damit  mit beim Jan-Hus-Preis 2015

    Übrigens: Jan Hus setzte sich für die Wahrheit ein. Darum wurde er auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt.

    • #4109
      Mirjam Aldrian
      Mirjam Aldrian
      Teilnehmer

      Seit meinem eigenen Religionsunterricht an der Schule bleibt immer noch die eine brennende Frage: Was ist Wahrheit? – Jahr für Jahr denke ich mir – Pontius (im Johannesevangelium) warum bist du nicht stehen geblieben und hast auf die Antwort Jesu gewartet.

      Je älter ich werde um so unsicherer bleibe ich mit meiner Frage, manchmal brennt sie, manchmal kann ich sie gut stehen lassen – im Bewusstsein dessen, dass wir Menschen DIE Wahrheit vielleicht niemals zu erfassen mögen und vielleicht gibt es sie auch nicht – die Wahrheit schlechthin.

      Vielleicht besteht sie aus vielen Teilwahrheiten? – Ich weiß es nicht. Aber diese Frage, oder wenn ich “die Wahrheit” lese, da werde ich wach und hellhörig.

      In meiner Ungewissheit glaubwürdig?

    • #4110

      Beimii
      Moderator

      @Mirjam: o ja ! Dass Schülerinnen und Schüler mich andauernd unter solche pädagogische “Anforderungssituationen” der Wahrheit setzen, erlebe ich auch sehr stark.

      Ob es was hilft, das als moralischen Rigorismus des Jugendalters (vgl. Erik H. Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung) einzuordnen ? Denn umgekehrt: welche Rolle spiele ich dann als RU-Lehrkraft mit mit meinem Mehr an Lebenserfahrung, an Anpassungserfahrungen und sicher auch Desillusionierung? Der Verweis auf eindeutige Vorbilder (von Jesus über Martin Luther bis Mutter Teresa) ist um ehrlich zu sein, häufig doch auch eine wohlfeile Strategie, um das Ding von sich wegzuhalten, oder?

      Pontius Pilatus: weiss nicht, seine Frage ist doch eher zynisch und nicht echt. Ein Machtmensch wie er hält Wahrheit für relativ. Sieht man denke ich auch daran, dass die Römer es fertigbrachten, alle Götter, auch die der besiegten Völker, in ihr Pantheon zu stellen.

    • #4168
      Reinhard Weber
      Reinhard Weber
      Super-Administrator

      Liebe Mirjam!

      Ich helfe mir damit, dass ich mir und meinen SchülerInnen bewusst mache, dass “die Wahrheit” Gott selbst ist. Da ist es dann etwas tröstlich, dass man die nicht kapiert. Und es holt uns vom religiösen hohen Ross herunter und ermöglicht uns mit Bescheidenheit und Toleranz auf andere (auch andersgläubige) zuzugehen.

  • #4073

    Grundschule. Der Schultyp, von dem manche Religionspädagogen/pädagogen manchmal annehmen, dass dort den Kleinen jeder §@&~$ aufschgewatzt wird.

    Fragen, die die Kinder explizit oder implizit an mich stellen:

    • Kann man das glauben, was der Herr Günther sagt?
    • Was glauben Sie?
    • Wie? “Wir wissen es nicht?” – Da darf jeder seine eigene Meinung haben, was ihm oder ihr glaubhaft erscheint?
    • Lässt sich das, was ich im Religionsunterricht erfahren habe, mit den Auffassungen vereinbaren, die in meiner Familie /meiner religiösen Gruppe (Evangelen/Katholiken/Freikirche) vertreten werden?

    Zu Anforderungssituationen später mehr. Hier sei nur erwähnt: Weihnachten, die Jungfer Marie.

  • #4100

    Olav Richter
    Teilnehmer

    Wer oder was ist für Schüler/innen glaubwürdig im Religionsunterricht?

    Immer noch genießen Jesus oder Martin Luther eine hohe Glaubwürdigkeit, nicht nur im Religionsunterricht. Sie erfahren Bewunderung, weil sie sehr konsequent und glaubhaft für ihre Sache eingetreten sind und dabei auch ihr eigenes Leben nicht geschont haben. Doch wie lässt sich von diesen „Vorbildern“ der Bogen zu unserer heutigen Lebenswelt schlagen? Ist es für Schüler/innen auch heute eine Herausforderung, glaubwürdig leben zu wollen? Klar sind wir alle ein bisschen Öko, achten auf Gleichberechtigung und Toleranz. Meine Schüler/innen verhalten sich in vielerlei Hinsicht politisch sehr korrekt. Und auf der anderen Seite ist nicht nur ihr Leben von vielen Kompromissen geprägt. Vielleicht müssen sie einfach zu viele unterschiedliche Lebenskonzepte integrieren. Gerade in der Oberstufe geht es ja auch darum, verschiedene Positionen und Theorien kennen zu lernen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Dann werde ich hellhörig bei Fragen wie: Was meinen Sie denn jetzt zu diesem Thema? Was sollen wir nun glauben? Was bedeutet das für unser Leben?

  • #4127
    Andreas Kuhn
    Andreas Kuhn
    Teilnehmer

    Wenn ich an das Thema denke, kommen mir für meinen Unterricht folgende Aspekte:

    Der Lehrer muss glaubwürdig sein. Er muss nicht alles wissen (kann er auch nicht), aber er sollte Position beziehen können und darf diese auch äußern. Er muss gewappnet sein für die Frage “Was glaube Sie denn?”, muss äußern können, was er denkt und glaubt („ich denke, dass…“ und nicht „die Menschen glauben in der Regel…“) und in dieser Äußerung authentisch sein.

    Gleichzeitig muss er die Schüler mit Ihren Einstellungen und Glaubenserfahrungen akzeptieren und dies den Schülern auch vermitteln. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch, sondern einfach verschiedene Erfahrungen. Die Schüler müssen das Gefühl haben, so akzeptiert zu werden, wie sie sind, mit ihren Zweifeln oder ihrem Glauben.

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